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Erziehung und Sozialisierung eines Herdenschutzhundes

Die Erziehung und Sozialisierung eines Herdenschutzhundes verläuft erst mal dem Grunde nach genau wie bei allen anderen Rassen. Doch nun haben diese urwüchsigen Hunde ja so ihre Eigenheiten. Man sagt ihnen nach, sie seien stur, draufgängerisch und sowieso nichts für Anfänger. Wer ist nun ein Anfänger? Mit Sicherheit jemand der noch nie einen Hund hatte, doch auch Menschen die bis dahin eigentlich nur „pflegeleichte” sprich meist nicht so wesensstarke Hunde hatten. Ein Herdenschutzhund hat seinem Naturell entsprechend die Veranlagung zu hoher Selbstständigkeit. Das führt leicht zum eigenständigem Handeln unter Missachtung aller Befehle. Und Befehle die er nicht versteht, führt ein Herdenschutzhund ohnehin nicht aus. Der Befehl muss erlernt sein und für den Hund im positiven begreifbar.

  • Herdenschutzhunde sind unheimlich große Egoisten. Sie handeln immer in erster Linie zu ihrer Sicherheit. Darunter fällt natürlich auch die Sicherheit des eigenen Rudels. Faktisch, wenn ein Mitglied des Rudels in eine vermeintliche Gefahr gerät, wird der Herdenschutzhund ohne langes Zögern handeln. Hier ist nun wichtig dem Welpen von Anbeginn ein großes Maß an Sicherheit zu vermitteln. Er muss stets in dem Glauben sein: „Mein Rudelführer hat Recht, was er macht ist richtig, er beschützt auch mich, er bietet uneingeschränkte Sicherheit!” Nur so wird auch ein Herdenschutzhund problemlos abrufbar.
  • Man sieht, es ist nicht so einfach. Wir wollen doch einen Hund der uns beschützt? Klar, er wird es trotzdem tun. Ist das Ranghöhere Rudelmitglied nicht in der Lage zu handeln, handelt das nächst folgende Rudelmitglied. Hier der Hund. Diese Verhaltensregeln werden unseren Hunden in die Wiege gelegt. über Jahrtausende wurden sie nach Arbeitsleistung selektiert. Das können wir nicht mit dem Gedanken an einen netten Familienhund abtun. Herdenschutzhunde sind ihrer Familie gegenüber sehr liebevoll, wurden sie bei den Hirten an der Herde geboren, so waren sie entsprechend sozial an die Schafe gebunden. Diese Affinität prägen sie in der Privathaltung auf ihre Menschen aus. Sie beschützen den Menschen, wir müssen ihnen nur beibringen es nur dann zu tun, wenn wir selbst nicht in der Lage dazu sind. Dies geschieht wie oben beschrieben über die Vermittlung von Sicherheit.
  • Herdenschutzhunde sind stur. Sind sie nicht. Nur steht ihre angeborene Souveränität dem hektischen Treiben unserer modernen Gesellschaft im Wege. Wer einen Herdenschutzhund nicht nur erziehen, sondern ausbilden will, um eventuell eine Prüfung abzulegen, braucht in erster Linie Geduld, starke Nerven und stets Selbstsicherheit. Keine noch so tolle Nummer darf uns aus der Ruhe bringen. Und glauben Sie mir, Herdenschutzhunde können testen wer die besseren Nerven hat. Meine Hunde arbeiten in der Hundeschule mit. Sie sind hervorragende Partner wenn es darum geht einen Raufer zu kurieren, Welpen zu erziehen, Junghunde in die Schranken zu weisen. Nun geht natürlich nicht jeder Hund für jede Aufgabe. Doch generell ist die Zuverlässigkeit eines Herdenschutzhundes faszinierend.
  • Aber auch die bestausgebildeten Hunde testen. Meine Hündin hat in der Vorbereitungsarbeit zur Begleithundprüfung einfach gesagt: „Mach deinen Quatsch alleine.“ Und das lief so ab. Wir haben in der Gruppe trainiert. Ablegen unter Ablenkung. Abruf jedes einzelnen Hundes während die anderen liegen blieben. Ich wollte meine Hündin abrufen, was macht sie, bleibt liegen. Doch alle anderen noch liegenden Hunde springen auf und kommen. Toll. Wir üben Freifolge. „Fuß”, eine Weile kam mein Mädchen ja mit, doch dann lag sie. Beide Male hat sich die Hündin durch festes Liegen der Arbeit entzogen. Beide Male half kein Rufen, kein Betteln, kein Schimpfen. Ich musste sie mit der Leine abholen. Als Folge des Verhaltens haben wir erst mal eine ganze Weile nur spielerisch gearbeitet. Die anderen haben normal weitergemacht. Und da die anderen ihre Pflicht getan haben wurden sie belohnt. Mein Mädchen nicht. Nach einer Weile war ihr klar. Wenn ich nicht mitmache, bekomme ich keine Streicheleinheiten extra, dafür aber die anderen. Also hat sie wieder gearbeitet. Wir haben zum Termin wie es sich gehört die Prüfung abgelegt, doch solche Tests, wer denn die längeren Nerven hat, die sind für einen Herdenschutzhund normal. Es sind eben große liebenswerte Egoisten.

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